Heutzutage hört man häufig den Begriff »Medienkompetenz«. Doch was verbirgt sich dahinter? Ich habe das mal näher recherchiert. Medienkompetenz ist »die Fähigkeit, verantwortungsvoll mit Medien umzugehen und diese entsprechend den eigenen Bedürfnissen zu nutzen«. Im Bereich Fernsehen sollte man zum Beispiel zwischen verschiedenen Programmformaten differenzieren können, also unterscheiden können, was gewöhnliches Programm und was eine Werbesendung ist. Auch kritisch mit den vorhandenen Medien umzugehen gehört dazu. Die oben genannten Aspekte kann man zur praktischen Seite der Medienkompetenz zählen. Zur technischen Seite gehören Kenntnisse im Umgang mit gängiger Software, mit dem Internet im Allgemeinen, aber auch das Bewegen in sozialen Netzwerken.

Immer häufiger liest man darüber, dass diese Medienkompetenz schon im Grundschulalter gelehrt werden sollte, zum Beispiel durch die Integration eines neuen Schulfaches. Zu den heutzutage gängigen drei »Grundkompetenzen« Lesen, Schreiben und Rechnen sollte noch eine vierte hinzugefügt werden: die Kenntnis der neuen Medien und wie man richtig mit diesen umzugehen hat. Soweit die Theorie …

Wie nehme ich die Vermittlung von Medienkompetenz in der Schule wahr?

Doch leider ist dies bis jetzt in großen Teilen nur Wunschdenken, da Lehrer mit genügend Wissen, sinnvollen Materialen und Unterrichtsstoffen nicht im nötigen Maße vorhanden sind. In der Grundschule wurde das Thema Medien komplett vernachlässigt – bis auf das Thema Werbung, was aber meist nur in einen Zusammenhang mit dem Thema »Zeitung« gestellt wurde. Bei primitiven, sogar schon veralteten Unterrichtsmethoden war von Computern oder Medien fast nie die Rede. Inzwischen bin ich längst am Gymnasium. Aber auch dort hat sich wenig getan, wie ich finde: Man quält sich mit fünf bei Weitem zu dicken Büchern aus den 1980er-Jahren in der Tasche und den daraus resultierenden Rückenschmerzen, erträgt das Quietschen, welches der Lehrer beim Anschreiben mit weißer Kreide an die grüne Tafel macht. Neue Medien? Digitaler Wandel? In der Schule davon nicht die geringste Spur. Man sitzt in einer Einrichtung, in der es zu Recht scheint, sie wäre von gestern, fast komplett isoliert von High-Tech und Medien. Tritt man dann einen Fuß in die Welt nach draußen, wie ich es jetzt bei meinem Praktikum tat, wird man fast überrollt von dem Eindruck, wie viel im Endeffekt mit Medien und der »neuen« Technik in der Arbeitswelt bereits bewerkstelligt wird. Eine Zeitmaschine, um in die Zukunft zu reisen, braucht man nicht mehr zu bauen. Man macht einfach seinen Schulabschluss und geht hinaus in die Arbeitswelt. Der Effekt dürfte derselbe sein.

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Wenn auch in der Schule die ein oder andere Tafel inzwischen durch ein Smartboard ersetzt wurde, wissen die meisten Lehrer – auch viele junge – nicht, wie man damit umzugehen hat. Dann dreht sich das Lehrer-Schüler-Verhalten um, und jemand muss dem Lehrer erklären, wie die Technik zu benutzen ist. Falls es in der Schule dann in den Computerraum geht, könnte man meinen, die Freude ist groß. Aber nein, im Gegenteil, sie schwindet meist mit dem Hochfahren der langsamen, veralteten Computer. Breitbandinternet? Funktioniert nur, wenn am Lehrerpult der Schalter umgelegt wird … aber auch dann bleibt die Verbindung sehr langsam. Mit meinem Smartphone, was ich aber eigentlich während der Unterrichtszeit nicht nutzen darf, könnte ich die Seiten wesentlich schneller aufrufen. Und in der Tat: Meistens endet der »Besuch« im Computerraum damit, dass alle genau dies tun, also heimlich mit ihren Handys im Internet etwas zur Aufgabe – oder auch nicht – recherchieren.

Nach dieser Art von »Medien-Unterricht«, wird von uns erwartet »medienkompetent« zu sein. Ein Beispiel: das Erstellen einer PowerPoint-Präsentation. Ich habe erlebt, dass Mitschülerinnen nach einem Vortrag mit PowerPoint nicht gelobt, sondern zunächst einmal darin kritisiert wurden, nicht ausreichend mit dem Programm vertraut zu sein, um die sich ihnen damit gebotenen Möglichkeiten zur Präsentation auszuschöpfen. Dabei gab es nie eine PowerPoint-Schulung! Es wird dir also nicht wirklich beigebracht, aber dennoch erwartet.

Fast alles, was ich an Medienkompetenz beherrsche, habe ich mir selbst beigebracht – durch Internetrecherche oder einfach stures Ausprobieren. Dass Medienkompetenz in der Schule vermittelt wird, darauf kann man meinem Empfinden nach lange warten. Ein System, das sich in der Zukunft aber schnell ändern sollte, um uns besser auf das Berufsleben vorzubereiten.

Wie stelle ich mir die Schule von morgen vor?

In der Schule von morgen sollte meiner Meinung nach die moderne Technik stärker integriert werden. Ich finde, es sollte im gesamten Schulgebäude freies WLAN geben, in das sich jeder einloggen kann, egal ob nur die Computer im Computerraum oder Schüler mit ihren Handys. Man könnte schnell etwas in der Pause nachgucken oder sich anderweitig vergnügen. Und da das Internet schon so ein großer Bestandteil im Leben von Schülern ist, sollte das nicht in der Schule komplett isoliert werden. Im Ausland, beispielsweise Kanada, ist dieser Schritt schon erledigt, wie ich von einer Freundin weiß, die dort ein Auslandsjahr absolvierte.  Auch finanziert der Staat dort viel mehr in öffentliche Bildungseinrichtungen als in Deutschland, wodurch technikmäßig fast alles auf dem neuesten Stand ist.

bild_3Des Weiteren sollten dicke Schulbücher und die altbekannten Kreidetafeln ersetzt werden durch Smartboards und Tablet-PCs. Jedem Schüler sollte ein Tablet zur Verfügung stehen – was ganz nebenbei das Gewicht der Schultasche deutlich verringern würde. Man könnte die Unterrichtsmaterialien draufladen und bequem mit ihnen arbeiten. Auch die Diskussionen mit den Lehrern, wer denn sein Buch vergessen hätte und unbequemes Teilen mit mehreren Leuten wären Vergangenheit. Also für jeden Schüler ein Tablet anschaffen? Das sei viel zu teuer, das könne sich der deutsche Staat nicht leisten, heißt es da immer. Doch bedenkt man die Kosten, die anfallen, wenn zum Teil ganze Arbeitsbücher für den Unterricht kopiert werden, da diese in der Schule nicht für jeden vorhanden sind, könnte man die ganzen Kopierkosten, die anfallen, in zeitgemäße Unterrichtstechnik investieren.

Meine Schule von morgen sollte auch unbedingt Lehrer haben, die selbst eine gewisse Medienkompetenz besitzen/Medienaktivität vorweisen und tatsächlich wissen, wie man mit den verschieden Geräten, die ihnen in der Schule bereits zur Verfügung stehen, umgeht. Lehrer sollten Spaß an den technischen Neuerungen habe und diese nicht als Last empfinden.

»Medienkunde« sollte als komplett neues Schulfach eingeführt werden, da die Medien schon jetzt ein sehr wichtiger Bestandteil unseres Lebens sind und immer wichtiger werden. Im Beruf wird längst eine gewisse Medienkompetenz erwartet und vorausgesetzt, aber beigebracht wird sie dir nirgends.

Doch das große Problem bei der Verwirklichung dieser Pläne sind wohl die Kosten, die anfallen würden. Die Schulen müssten eine komplett neue Ausstattung erlangen und »eintechnisiert« werden. Dazu gehört auch die Schulung und Weiterbildung der Lehrkräfte. Da der deutsche Staat ohnehin wenig in Bildung investiert (so zumindest meine Wahrnehmung), ist es fraglich, ob er diesen Schritt überhaupt wagen würde – oder mal wieder einfach alles beim Alten belässt.

Über die Autorin: Christina ist 16 Jahre jung und hat im Juli 2013 im Team der result gmbh ein Schülerpraktikum absolviert. Eine der an sie gestellten Aufgaben: »Schreibe einen Blogbeitrag zum Thema Medienkompetenz im Schulalltag. Was versteht man unter dem Begriff? Wie wird das im Schulalltag umgesetzt? Und was wünschst Du dir für die Zukunft.« Ihre so gewonnenen Erkenntnisse und ihre ganz persönliche Meinung dazu hat sie hier für den netzofant verbloggt. In einem weiteren Artikel beschäftigte sich unsere Praktikantin mit dem Thema: Warum finde ich YouTube besser als Fernsehen?